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Praxisbezogene Erfahrungen und Fachkenntnisse verhelfen auch Geistes- und Sozialwissenschaftlern zum Einstieg in Wirtschaftsunternehmen

Zweifel gehören bei der Studienwahl dazu. Während jedoch Absolventen etwa der Fächer Maschinenbau oder Elektrotechnik sich (fast) keine Gedanken über Einsatzfelder machen und eher über Gehaltsforderungen nachdenken können, sieht es bei Sozial- und Geisteswissenschaftlern ganz anders aus: Regelmäßig müssen sie schon während des Studiums ihre Fächerwahl begründen, sich mit gut gemeinten Ratschlägen für ihre berufliche Zukunft und Tipps für ein Umschwenken auf die gefragten MINT-Fächer bzw. technischen Studiengänge gefallen lassen. Und nach dem Studienabschluss kommt die große Ernüchterung: Tageszeitungen und Internet-Jobbörsen beinhalten selten Vakanzen für Religionswissenschaftler, Volkskundler und Linguisten, noch seltener sind Anthropologen und Ethnologen nachgefragt.

Immer wieder bestätigt sich für den Einzelnen, was Umfragen schon längst zu Tage bringen: Berufseinsteiger aus den Geistes- und Sozialwissenschaften müssen mit besonders langen Zeiten der Job-Suche und niedrigen Einstiegsgehältern, Befristungen und Teilzeit-Angeboten rechnen.

Was ist zu tun? Wie trotzdem den Einstieg schaffen?
Zunächst einmal ist die Fächerwahl nicht in Frage zu stellen. Nicht jeder ist für ein technisches Studium geeignet und möchte den Rest seines Lebens in dieser Disziplin tätig sein. Auch kann unsere Gesellschaft nicht ausschließlich von Ingenieuren getragen werden.

Wirtschaftsunternehmen bestehen nicht nur aus Abteilungen für Forschung & Entwicklung sowie IT & Telekommunikation, sondern es gibt viele Bereiche, in denen Hochschulabsolventen eingesetzt werden (können). Und hier liegt der Ansatz für Geistes- und Sozialwissenschaftler: Allein der Studienabschluss ist Bedingung – und praxisbezogene Erfahrungen und Fachkenntnisse als das A und O für Arbeitgeber. Studiengänge in den Geistes- und Sozialwissenschaften sind theorielastig und bereiten eher auf eine wissenschaftliche Karriere als auf den Eintritt in die Wirtschaft(-spraxis) vor. Ähnlichkeiten mit einer Berufsausbildung gibt es de facto keine.

Es ist in jedem Fall ratsam, zielgerichtet vorzugehen, schon während des Studiums sich mögliche Arbeitsfelder zu überlegen und über Anforderungen zu informieren. Spätestens nach dem Studienabschluss sollte jedem klar sein, in welche Richtung man sich bewegen will und wie vorhandene Defizite, etwa mit Weiterbildungen, gefüllt werden können.

Auffallend ist, dass viele Stellenausschreibungen betriebswirtschaftliche Kenntnisse in Finanzierung und Controlling fordern – wichtige Fachkenntnisse, die meistens nicht im Seminarplan des Studiums enthalten waren. Gleiches gilt auch für IT und Multimedia. Nicht jeder muss mit JAVA-Script Inhalte umsetzen, 3D-Annimation und Bildbearbeitung sind schon eher gefragt. Diese Kenntnisse können unproblematisch mittels einer Weiterbildung erworben werden, diese sollte jedoch nach dem Studienabschluss maximal ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Unter den Angeboten der örtlichen Volkshochschulen, aber der ansässigen Akademien und Weiterbildungsinstitute sind viele auf Hochschulabsolventen zugeschnitten und auch erschwinglich.

Ganz wichtig: Arbeitgeber schöpfen aus einem riesigen Bewerberpool, daher neigen sie auch dazu, offene Vakanzen möglichst passgenau zu besetzen. Wer nicht wirklich alle (!) Anforderungen erfüllt, kann getrost auf Papier, Tinte, Mühe und den Gang zur Post mit einer Bewerbung verzichten. Besser ist es, den Focus auf ein Arbeitsfeld zu legen und den Einstieg zielgerichtet mit etwa Praktikum (weniger ist mehr), Fort- bzw. Weiterbildung, Aufbaustudium oder Fachkursen hinzuarbeiten. Multimedia, PR, Verlage, Personalwesen, Kommunikation, Fundraising, Entwicklungshilfe sind nur einige Beispiele für mögliche Bereiche/Einsatzfelder.

Multinationale und exportorientierte Unternehmen schaffen Jobs für Interkulturelle Vermittler und Kommunikationsexperten

Im Zuge der „Auto China“ wartete der Tagesspiegel in seinem Wirtschaftsressort heute mit der Meldung über milliardenschwere Expansionsvorhaben der Unternehmen BMW, Daimler und Volkswagen auf. Ersterer wird neben Shenyang ein weiteres Werk in dreistelliger Millionenhöhe bauen, Daimler will mehr als 100.000 Pkw in seinem drittgrößten Markt verkaufen und VW und Audi sind schon seit Jahren in China präsent. Auch sie wollen ihre Produktion an drei Standorten in den kommenden Jahren um vier Milliarden erweitern.

Diese Nachricht bestätigt, zunächst, dass Berufsabschlüsse, deren Leistungen die Exportwirtschaft tragen, auf dem Arbeitsmarkt ganz offensichtlich gefragt sind: Wirtschaftsingenieure, Fachkräfte aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie Spezialisten aus der IT, Elektronik und Elektrotechnik. Und der eklatante Mangel in diesen Berufen wird – dank immer weniger Absolventen – ihre Einstiegs- und Aufstiegschancen weiter verbessern.

Diese Nachricht birgt freilich auch den Fingerzeig auf den ansteigenden Bedarf innerhalb exportorientierter Wirtschaftsunternehmen an hoch qualifizierten Fachkräften für die Sprach- und Kulturvermittlung in China. Aber auch in Indien, Indonesien oder Malaysia sind sie schon heute gefragt. Als eine der weltweiten Wachstumstreiber sind diese Länder interessante Wirtschaftsstandorte und Absatzmärkte für deutsche Unternehmen. Und intensive Handelsbeziehungen fordern Fachkräfte mit spezifischen Kenntnissen und Kompetenzen.

Gerade weil akademische Bildungseinrichtungen in Deutschland mit ihren Angeboten (noch) den Bedürfnissen der Wirtschaft regelmäßig hinterher steigen, bieten sich gute Einstiegschancen für interdisziplinär ausgebildete Akademiker. Die fundierte Sprachausbildung, gewichtige Kenntnisse über Gesellschaft und Kultur des Landes und somit solide Grundlagen für geschäftliche Unternehmen im Wirtschaftsraum werden mit interessanten Einsatzgebieten und Aufgabenbereichen honoriert. Warum also nicht nach Job-Titeln etwa

Referent Strategischer Einkauf
Sales Manager (Asien)
Account Manager
Projektmanager
Interkultureller Consultant China oder
Assistent des Vorstandes

Ausschau halten? Firmen mit den allbekannten Namen haben eine ganze Palette an mittelständigen Unternehmen, die als Zulieferer fungieren. Ein freundliches Anschreiben mit Kurzprofil, um mit seinen vertieften ökonomischen, regionalwissenschaftlichen und juristischen Fach-, Methoden und Sozialkompetenzen, die auf ihr Management, Komplexität wie Risiken, ausgerichtet sind, zu wuchern, fällt mitunter überraschend auf.

Mehr erfahren Sie in unserem Trend „Sprache, Kultur und Translation“


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